Biografie
Stephen Kovacevich wurde unter dem Namen Stephen Bishop als Sohn eines kroatischen Vaters und einer amerikanischen Mutter geboren. Seinen ersten Klavierunterricht erhielt er 1948 bei Lev Schorr. Bereits 1951, im Alter von elf Jahren, gab er in San Francisco sein öffentliches Konzertdebüt. Mit 14 Jahren spielte er Ravels Klavierkonzert G-Dur sowie Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll mit dem San Francisco Symphony Orchestra. 1959 ging er mit einem Stipendium nach London, um seine Ausbildung bei Dame Myra Hess fortzusetzen. Die einflussreiche Pianistin erkannte früh seine besondere Affinität zur Musik Ludwig van Beethovens, insbesondere zu dessen späten Werken, und förderte diese gezielt.
Nach seinem Umzug nach England gab Stephen 1961 sein europäisches Debüt in der Wigmore Hall. Seither trat er mit vielen der bedeutendsten Orchester und Dirigenten der Welt auf, darunter Hans Graf, Bernard Haitink, Kurt Masur, Simon Rattle, Georg Solti und Yannick Nézet-Séguin. Zudem pflegte er zahlreiche langfristige künstlerische Partnerschaften, besonders mit Sir Colin Davis, mit dem er mehrere herausragende Aufnahmen einspielte, darunter das legendäre Bartók-Klavierkonzert Nr. 2 mit dem BBC Symphony Orchestra.
Als Duo-Partner von Martha Argerich trat er unter anderem in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles, in der Philharmonie de Paris, im Concertgebouw Amsterdam, in der Victoria Hall Genf, im Flagey Brüssel sowie im Gulbenkian in Lissabon auf. Zu den jüngeren und geplanten Recital-Höhepunkten zählen Auftritte beim Mariinsky International Piano Festival (auf Einladung von Valery Gergiev), in der Bridgewater Hall Manchester, in der renommierten Phillips Collection in Washington, beim Singapore International Piano Festival, beim Pyeong Chang „Great Mountains“ Festival in Südkorea (mit Kyung-Wha Chung), im National Centre for the Performing Arts in Peking, beim Festival Les Rencontres Musicales d’Évian sowie in der Istanbul Recital Series. Außerdem unternahm er umfangreiche Recital-Tourneen nach Fernost, Australien und Neuseeland. Weitere Auftritte führten ihn unter anderem nach Paris, Berlin, Genf, Luzern, Boston, Zagreb, Mumbai, Dublin und Cardiff, darunter auch zwei Live-Übertragungen von BBC Radio 3 aus St George’s Hall in Bristol und der Wigmore Hall. Darüber hinaus ist er regelmäßiger Solist bei den Festivals in Verbier und Lugano. Weitere Festivalauftritte führten ihn unter anderem zum Buxton International Festival, zum Settimane Musicali Festival in Ascona (für Solo- und Kammermusik mit Alina Ibragimova und Francesco Piemontesi) sowie erneut zum Le Domaine Forget Festival in Québec.
Zu den jüngeren und geplanten Konzert-Engagements zählen Debüts mit dem Los Angeles Philharmonic (unter Mirga Gražinyte-Tyla), mit der Orquestra Camera Musicae in Barcelona, dem Aurora Orchestra (unter Nicholas Collon), dem Turkish National Youth Orchestra (unter Cem Mansur), der Belgrade Philharmonic (unter Eiji Oue), der Sofia Philharmonic, eine triumphale Rückkehr zum Montreal Symphony Orchestra (unter David Zinman), Auftritte mit dem Yomiuri Nippon Symphony Orchestra (unter Sylvain Cambreling), dem Malaysian Philharmonic Orchestra (unter Jacek Kaspszyk), dem Orchestre de chambre de Paris (unter John Nelson) sowie dem Sydney Symphony Orchestra (unter Vladimir Ashkenazy).
Stephen ist außerdem ein engagierter Kammermusiker und arbeitete mit zahlreichen bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern zusammen, darunter Jacqueline du Pré, Martha Argerich, Steven Isserlis, Nicola Benedetti, Nigel Kennedy, Lynn Harrell, Gautier Capuçon, Renaud Capuçon, Kyung-Wha Chung, Truls Mørk, Emmanuel Pahud, Anna Larsson, Alina Ibragimova, Philippe Graffin, Joseph Suk sowie mit dem Amadeus Quartet, dem Belcea Quartet und dem Cleveland Quartet.
Stephen Kovacevich verbindet eine lange und erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Plattenlabels Philips und EMI. Zu seinem 75. Geburtstag veröffentlichte Decca eine limitierte Box mit 25 CDs, die sein gesamtes für Philips aufgenommenes Repertoire umfasst. 2008 nahm er Beethovens Diabelli-Variationen erneut auf – exakt 40 Jahre nach seiner ersten Einspielung dieses Werks. Diese Aufnahme bei Onyx brachte ihm 2009 den Classic FM Gramophone Editor’s Choice Award sowie eine „Top Choice“-Auszeichnung des Gramophone Magazine (September 2015) ein. Über seine Interpretation schrieb das Magazin: „Seine reife und zugleich furchtlose Meisterschaft offenbart bei jedem Hören neue Facetten.“